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Nürnberger Aufstellungsort gefertigten Dürer-Gemälde wurden im Lauf der Zeit aus der Stadt verschenkt, verkauft oder im Museum profaniert.An ihrem ursprünglichen Bestimmungsort verblieben oft Kopien, so auchim Fall der »Holzschuherschen Beweinung«. Der Beitrag diskutiert undklärt das Verhältnis zwischen der Kopie in St. Sebald und dem Originalim Germanischen Nationalmuseum. Die Autorin erörtert die Argumentezur umstrittenen Datierung und zu den Provenienzen beider Gemälde.Der Nürnberger Maler Georg Gärtner d. J. wird als Autor der um gefertigten Kopie vorgeschlagen. Als Basis dienen neue kunsttechnolo-gische Untersuchungen.
  ’ 
that were srcinally produced forNuremberg churches have, over the course of time, been given as gifts by the city, sold, or relocated to the profane space of the museum. In theirsrcinal sites we find instead copies, as is the case with the »Holzschuher-schen Lamentation«. This essay discusses and clarifies the relationshipbetwen the copy in St. Sebald and the srcinal in the GermanischesNationalmuseum. The author disputes the controversial dating andprovenance of both paintings and proposes the Nuremberg painterGeorg Gärtner the Younger as the author of the  copy. This argumentis presented on the basis of new technological evidence.
DieUrheberschaundDatierunder»HolzschuherschenBeweinung«vonAlbrechtrerundihrBezugzurmotivgleichenTafelinSanktSebald
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chonalsderKölnerKunstsammler
SulpizBoisseréeeineTafelmit
der Beweinung Christi (»Holz-
schuhersche Beweinung«,
 Abb. 
)
über die Familie Peller aus Nürn-berg als ein Werk von Albrecht
Dürer erstand, äußerten Kunstkenner Zweifel an derUrheberscha,zumaleinemotivgleicheTafel
(Abb. )
am südwestlichen Vierungspfeiler in St. Sebald in
Nürnberghing 
.DerBambergerDürerforscherJoseph
Hellerschreibt:»DiemeistenundgründlichstenKenner […] stimmen darin überein: daß das Boisseri-sche das vorzüglichere ist, und weit mehr Originalitätbesitzt, als das von St. Sebald, welches wahrscheinlicheine alte Kopie ist.«
Doch bis heute herrscht in derForschungsliteratur Uneinigkeit hinsichtlich der allei-
nigenUrheberschadesnstlersAlbrechtDürerund
der genauen Datierung der von Boisserée gekauen
Tafel. Die noch heute in St. Sebald befindliche Tafel
 wirdvagedemrnbergerKünstlerGeorgGärtnerd.J.(–)zugeschrieben
.Entstandenistsievermut-
lich  als Ersatz für das Original der Holzschuher-sche Beweinung, das damals an den Nürnberger Kauf-mannMartinPellerverkauwurde.ImFolgendensoll
in einem stilistischen und technischen Vergleich ihr
Zusammenhang näher veranschaulicht werden.
b
eide Tafeln zeigen in Simultandarstellung das
Leiden,dasSterbenunddieGrablegungChristi.
Die Szene der Beweinung Christi nimmt imBildvordergrund über die Häle der Bildfläche ein.
Drei Trauernde knien um den Leichnam Christi, der
aufeinemweißenLeichentuchgebettetliegt.Johannes
stützt den halb aufgerichteten Oberkörper des TotenimRücken.Maria,dieMutterJesuinblauemGewand,
und Josef von Arimathäa mit grauem Spitzbart und
grauen Haaren knien trauernd hinter dem Toten.
Maria Magdalena, mit rotem Umhang bekleidet undeinemSalbgefäßindenHänden,stehthochaufgerich-
tet direkt hinter der knienden Maria. Zu Füßen desLeichnams befindet sich eine weitere Frau mit hoch
erhobenen Händen, vermutlich Maria Cleophae
. Im
linken oberen Bildhintergrund weist der Golgatha-
gelaufdievorangegangeneKreuzigunghin.Gegen-überwerdenamrechtenhinterenBildrandzweibevor-
stehende Ereignisse, die Salbung und das Begräbnis
Christi,angedeutet,zwischendenenNikodemus,leicht
hinter die Beweinungsgruppe in den Mittelgrund ver-setzt, mit einem Salbgefäß in den Händen vermittelt.Am rechten oberen Bildrand ist das in einen Fels ge-schlageneoffeneGrabzusehen.NuraufderTafelvonSt. Sebald ist die Stierreihe in der unteren Bildzone
erhalten geblieben. Links ist Karl III. Holzschuher(–) mit neun Söhnen dargestellt. Auf der
rechtenSeiteknietseineEhefrauGetrautHolzschuher
(† ), geborene Gruber, mit drei Töchtern
.
S
ie Bildkomposition beider Tafeln
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
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

 
 


 
um offenen Forsungsand von D@ierung und Urhebersa der Holzsuhersen Beweinung 
f
ür die exakte zeitliche Einordnung der Holzschu-
herschenBeweinungfehlenbishersichereBelege
.
Im aktuellen nchner Katalog der Werke
Albrecht Dürers nennt Gisela Goldberg als mögliche
DatendieZeitumoderdenZeitraum–
.
Fedja Anzelewsky datierte die Tafel  »um «,
 weil er sie in engem Zusammenhang mit der Bewei-
nungsszene der »Sieben Schmerzen Mariens« (Dres-den,GemäldegalerieAlteMeister)von/
siehtundsiealsGrundlagefürdenHolzschnittderGroßenPassion dient, auf dem das Holzschuhersche Bild auf-
baut
.EinenTerminuspostquemfürdieHolzschuher-
sche Beweinung stellt Hieronymus Holzschuhers
Allianzwappen dar, der  geheiratet hat

. Vorher
kann das Gemälde nicht entstanden sein. Mehrfach
 wird auch Dürers um  datierte »Glimmsche Be-
 weinung«(München,AltePinakothek)
alsKriterium
für eine Datierung angeführt. Laut Otto Benesch
()

,HeinzLüdecke ()

unddemrnberger
Ausstellungskatalog von 

hat die Komposition
der Holzschuherschen Beweinung der Glimmschen
Beweinung als Vorarbeit gedient und folglich ist dieHolzschuhersche Tafel um / zu datieren. Um-
gekehrt heißt es bei Peter Strieder

() und im
nchnerKatalog 

(),diespätereZeiträumenen-nen,dassessichbeiderHolzschuherschenBeweinung 
umeineZusammensetzungpuzzelartigerBausteineder
früherzudatierendenGlimmschenBeweinunghandle.
In der Komposition der Holzschuherschen Bewei-nung, der Beweinung Christi der Sieben Schmerzen
Mariae und in der Großen Passion sind nur sechs Per-
sonen im Vordergrund um den Leichnam gruppiert.
Die Glimmsche Beweinung ist mit acht Personen
 wesentlich komplexer. Sie ist im Gegensatz zur Holz-
schuherschen oder dem Holzschnitt der Großen
Passion nicht – wie in spätgotischer Tradition üblich– von links nach rechts zu lesen. Die meisten ikonogra-
fischenParallelensindzwischenderHolzschuherschenBeweinungundderBeweinungChristiausderGroßen
Passion zu finden.
DesWeiterenistbishernochnichtgeklärt,obessichumeineArbeitAlbrechtDürersoderdersogenannten
Dürer-Werkstatthandelt.LautMarkusZucker()sprächediezugeringeBezahlungfürsoumfangreiche
ArbeitenwiedieHolzschuherscheunddieGlimmsche
BeweinunggegenDüreralsUrheber

.ImrnbergerBestandskatalog von  äußert Kurt Löcher die Ver-
mutung,dassDürerunterZeitdruckstandunddeshalb
die Hilfe eines nicht bestimmbaren Schülers in An-
spruchgenommenhat

.KatrinKalveram()meint,
DürerhabekeinInteresseandiesemBildauraggehabt,
da der Auraggeber bezüglich Bildthema und Größe
zustrengeVorschriengemachthätte

.EduardFirme-
nich-Richartz stimmt  mit Anton Springer und
Heinrich Wölfflin überein, die Tafel nicht als ein
Hauptwerk Dürers zu betrachten und vermag Dürers
Leistung von der seiner Gehilfen nicht zu trennen

.
BereitswiesLudwigSchorn

undspäterLeopoldKaufmann ()

, Eberhard Lutze (/)

und Anja Grebe

darauf hin, dass es sich bei jenenPartien, die aufgrund ihrer Malweise nicht Dürer zu-zuordnensind,lediglichumspäterhinzugefügteRetu-schenhandele,dieaufgrunddesschlechtenErhaltungs-
zustandes nötig waren. Grundsätzlich ordnen sie das
 Werk Dürer zu. Laut Eberhard Lutze () ist die
Tafel »ein seltenes Beispiel einer einheimischen Kir-
chenbestellung bei Dürer«

. Matthias Mende ()bewertetdieAusführungderTafelzwaralsschwächer,
sieht jedoch Dürer als alleinigen Urheber

. Daniel
Hess()zufolgeistdieHolzschuherscheTafelauf-grund des unterschiedlichen sozialen Standes der ein-
flussreichen und alteingesessenen Patrizierfamilie
HolzschuhergegenüberdemGoldschmiedundHand- werker Glimm vorbildha gewesen. Sie sei das alleini-ge Werk Dürers und vor der Glimmschen Beweinung 
entstanden

. Dürers freundschalicher und gesell-
schalichwichtigerKontaktzurPatrizierfamilieHolz-schuher legt zudem nahe, dass er die Anfertigung der
Holzschuherschen Beweinung keinem Werkstattmit-
glied überlassen hat.
Aus bisher bekannten Quellen

zur Werkstatt
AlbrechtDürersgehthervor,dassDürervorkeine
Angestelltenhatte,dieermitkünstlerischenAufgabenbetraute. Sollte die Holzschuhersche Beweinung also
 vor  entstanden sein, muss er sie selbst gemalt




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

 
 


 
bb.  Albrecht Dürer: Beweinung Christi (»Holzschuhersche Beweinung«), Gemälde auf Kiefernholztafel, wohl /. Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Inv. Gm  (Leihgabe des Wittelsbacher Ausgleichsfonds / Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München, Inv. WAF )
  » «


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

 
 


 
bb.  Georg Gärtner d. J. (?): Beweinung Christi, Gemälde auf Holztafel, um . Nürnberg, Evang.-luth. Kirchenstiftung St. Sebald

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

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