KULTPLÄTZE AUF PRIVATEM GRUND IN DEN BEIDEN GERMANIEN

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  KULTPLÄTZE AUF PRIVATEM GRUNDIN DEN BEIDEN GERMANIEN di Wolfgang Spickermann 1. Einleitung  In diesem Beitrag soll es um die Frage gehen, welche Weihedenkmälerund Heiligtümer in den beiden germanischen Provinzen auf privatemBoden gestanden haben und welche Gottheiten man dort findet.Unterscheidet sich ferner das hier gefundene Götterspektrum von demder Gesamtprovinz und existieren regionale Unterschiede? Eine klareTrennung zwischen öffentlichem und privaten Raum ist dabei nichtimmer eindeutig zu leisten. Dies gilt natürlich nicht für monumentalenAnlagen auf den Foren größerer Siedlungen, bleibt aber bei kleineren,manchmal vereinzelt liegenden Tempeln oft unklar. Streng genommenist ein privater Charakter der außerhalb des Hausaltars und nichtausdrücklich in suo bzw.  solo privato gesetzten Weihedenkmälern undKultgebäuden nur selten eindeutig erkennbar. Dies gilt auch für Kapellenund Tempelbezirke bei villae rusticae . Mögen solche Heiligtümer auch auf privaten Grund gestanden haben und damit rechtlich privaten Charaktersgewesen sein, sie wurden nicht allein von der Familie des Grundeignersbenutzt und standen faktisch in einem öffentlichen Raum. Gleiches giltfür Heiligtümer innerhalb von bestimmten Stadtvierteln wie derMatronentempel in Xanten, der wenig repräsentativ in die Insula 20eingebaut war. 1 Wir müssen das Heiligtum einfach als das nehmen, was 1 Zum Heiligtum: F OLLMANN -S CHULZ 1986, pp. 773 ss., vgl. Z ELLE 1995, pp. 106ss.; ferner F RATEANTONIO 2001, pp. 184-185. Zur Ausstattung ausführlich: F REIGANG 1995, pp. 139-234.  Acme 103 - 14 Spickermann 10-07-2008 9:23 Pagina 307  es war: eine privat finanzierte Kultstätte einer wahrscheinlich zugereistenGemeinde, die dort ihre angestammten aufanischen Muttergottheitenverehrte und sich damit von anderen ebenfalls zu vermutenden privatenKultgemeinden dieser Art in der Stadt unterschied. Wie diese Gemeindeorganisiert war und wie das Kultpersonal ausgesehen hat, wissen wir leidernicht. Anhand der gefundenen Kultgegenstände – Altarbruchstücke,Räuchergefäße und Kerzenständer – kann aber gesagt werden, dass essich, wie zu erwarten, um einen römisch geprägten Kult einerwohlhabenden Kultgemeinde gehandelt hat. 2 Nach griechischem und römischem Recht blieb ein Kultgebäude unddamit auch das Grundstück, auf dem es stand oder gestanden hatte, selbstnach der Zerstörung  sacrum .Im Rechtssinne gilt aber,dass alle Dinge nurdann als  sacrum – d.h. dem menschlichen Zugriff entzogen – gelten, wennsie öffentlich konsekriert wurden. Was jemand für sich selbst als  sacrum erklärt, gilt rechtlich als profan 3 . Bei öffentlichen Kultplätzen und–bezirken ist diese Unterscheidung relativ unproblematisch, sie konntensich selbst überlassen und später gegebenenfalls von Grund auf erneuertwerden. Nur die Gemeinde konnte einen öffentlichen Kultplatz als locus sacer  konsekrieren und war auch zuständig für dessen Schutz undInstandhaltung. Kultplätze auf privatem Gelände konnten rechtlich nichtals  sacer  gelten, gelten aber faktisch als quasi consecrata. 4 Auch hier hat dasHeiligtum ein eigenes Statut ( lex ) und feiert seinen dies natalis . PrivateKultplätze sind damit zwar nicht rechtlich so doch faktisch demallgemeinen Verkehr entzogen. 5 So gibt es kaum Zeugnisse dafür, dassein Kultplatz von seinem ursprünglichen Eigentümer oder dessenNachkommen wieder profan genutzt wurde. 6 Wolfgang Spickermann 308 2 S PICKERMANN 2001, pp. 230-231. 3 Vgl. Dig. 1,8,6,3 (Marcianus 3 inst.):  Sacrae autem res sunt hae, quae publice consecratae sunt, non private: si quis ergo privatim sibi constituerit sacrum ^sacrum constituerit^, sacrumnon est, sed profanum. semel autem aede sacra facta etiam diruto aedificio locus sacer manet  ; dazuF RATEANTONIO 2000, p. 184 n. 59; vgl. S PICKERMANN 2001, p. 224 n. 84. ZumSakralrecht allgemein: W ISSOWA 1912, pp. 467 ss. 4 C IC .ad Att. 12,19,2; vgl. W ISSOWA 1912, pp. 468-469. 5 W ISSOWA 1912, p. 477 u. n. 8. 6 Dies würde auch gegen den Rechtsgrundsatz verstoßen, dass heilige Gegenständeund Plätze niemandes Eigentum sein können: Dig. 1.8.6.2 (Marcianus 3 inst.):  Sacraeres et religiosae et sanctae in nullius bonis sunt  ; vgl. Dig. 41,2,30,1 (Paul . 15 ad Sab.):  Possessionem amittimus multis modis, veluti si mortuum in eum locum intulimus, quem possidebamus:  Acme 103 - 14 Spickermann 10-07-2008 9:23 Pagina 308  2.  Private Kultplätze in Niedergermanien Eine Auflistung dieser Kultstätten bei Villen bzw. in Einzellage gibtfür Niedergermanien das folgende Bild 7 : Gutshöfe Ort Gebäude Gottheiten Colonia/Civitas Blankenheim-Einraumtempel mit unb. CCAA 8 Hülchrath Temenosmauer bei Gutshof Bornheim-Mithräum bei Gutshof (Mithras) CCAA 9 Sechtem Bedburg-Einraumtempel in Kultbezirk unb. CCAA 10 Harff bei Gutshof Voerendaal Einraumtempel mit Prostylos (Diana?) Batav. 11 bei Gutshof mit weitererKapelle, Sockel einer Iupitersäule Kultplätze auf privatem Grund in den beiden Germanien  309 namque locum religiosum aut sacrum non possumus possidereet pro privato eum teneamus, sicut hominem liberum u. Dig. 45,1,83,5 (Paul. 72 ad. ed.):  Sacram vel religiosam rem vel usibus publicis in perpetuum relictam (ut forum aut basilicam) aut hominem liberum inutiliter stipulor  . 7 Vgl. S PICKERMANN 2008, pp. 157 ss. Rein bildliche Darstellungen der Gottheitenstehen in runden Klammern. 8 Colonia Claudia Ara Agrippinensium ( CCAA ): H ORN 1987, pp. 360 ss. 9 U LBERT – W ULFMEIER 2000; U LBERT 2004; W ULFMEIER 2004. 10 R ECH 1977; vgl. B AUCHHENß – N OELKE 1981, p. 305 n. 192. 11 W ILLEMS 1992, p. 532.  Acme 103 - 14 Spickermann 10-07-2008 9:23 Pagina 309  Straßenheiligtümer Ort Gebäude Gottheiten Colonia/Civitas  Jülich-Umgangstempel? an der (Matronen) CCAA 12 Merzenhausen Strasse Marcodurum-Bavai Iupitersäule Gut Frauenrathmit Votivrad Niederzier kleiner Einraumtempel an (Iuno) CCAA 13 ‘Eschergewehr’ Straße im Bestattungskontext Tavigny-Umgangstempel an Straße unb. Tungr. 14 Saint-Martin mit Opferschacht; in der Nähe Bestattungen Es kann davon ausgegangen werden, dass zu jeder villa rustica eineigener Kultplatz gehörte, wobei dies oft schlecht zu dokumentierendeoffene Plätze gewesen sein werden. Sie waren vielfach durch kleinereEinraumtempel oder Kapellen bebaut. In Bereich von Gutshöfen standhäufig eine weithin sichtbare Iupitersäule, die, in einem umfriedetenBezirk mit weiteren Weihegaben stehen konnte. P. Noelke rechnet fürNiedergermanien mit ca. 60 Beispielen von Iupitersäulen, die zu villaerusticae gehörten, also einem Drittel aller aussagefähigen Monumente. 15 Straßenheiligtümer werden von den Bewohnern der benachbartenStraßenstationen oder vici verwaltet worden sein. Ihren Unterhalt dürftensie besonders aus frommen Stiftungen der Reisenden bezogen haben. Auchgrößere Heiligtümer lagen häufig, allein wegen der verkehrstechnischenErfordernisse, in der Nähe von Straßen und waren von dort aus weithinsichtbar. Diese unterscheiden sich aber von den angeführten Beispielendurch ihre Größe und Bedeutung und vor allem eine lokale oder regionale Wolfgang Spickermann 310 12 P ERSE 1993; vgl. F ORSTER – P ERSE 1998; zusammenfassend: B ILLER 2005, pp.101-102. 13 G AITZSCH , 1994, vgl. I D .1995 u. B AUCHHENß - G AITZSCH 2000;zusammenfassend: B ILLER 2005, pp. 99 ss. Zu dem Grabkontext vgl. den Herecuratempelaus Stuttgart Bad Cannstatt: S PICKERMANN 2003, p. 316. 14 C ABUY  1991, pp. 248 ss. 15 N OELKE 2005, p. 128; vgl. B AUCHHENß - N OELKE 1981, p. 307.  Acme 103 - 14 Spickermann 10-07-2008 9:23 Pagina 310  Kultgemeinde, wenngleich sie sicher auch von Durchreisenden aufgesuchtwurden. Eine scharfe Trennlinie lässt sich hier nicht ziehen. DerAdressatenkreis der aufgelisteten Straßenheiligtümer wird in erster Liniewie bei modernen Autobahnkapellen unter den Reisenden zu suchen sein,wobei zu vermuten ist, dass solche Kultplätze häufiger vorkamen, als obenaufgelistete Beispiele vermuten lassen.3.  Private Kultplätze in Obergermanien 16 Gutshöfe Ort Gebäude Gottheiten Colonia/Civitas Dällikon (CH)Kultgebäude (?) bei Gutshofunb.Helvet. 17 Dietikon (CH) Gutshof mit 2 unb. Helvet. 18 Orbe-Boscéaz Gutshof mit MithräumMithras Helvet. 19 (CH) Yvonand (CH)palastartiger Gutshof mit unb. GöttinHelvet. 20 großem Umgangstempel und Kapelle außerhalb des Hofes Kultplätze auf privatem Grund in den beiden Germanien  311 16 Vgl. S PICKERMANN 2003, pp. 324 ss. 17 H ORISBERGER 2001. 18 D RACK – F ELLMANN 1988, pp. 388-389; vgl. p. 240 fig. 223; F ELLMANN 1992,p. 277; H ORNE – K ING 1980, p. 402. 19 Zum Gutshof: W. D RACK , in D RACK – F ELLMANN 1988, pp. 463 ss.; zumMithräum Ch. M. P RUVOT , in “Rev. Arch. Vaudoise” 1997, pp. 248 ss. 20 W. D RACK , in D RACK – F ELLMANN 1988, pp. 565-566; vgl. R EY  -V ODOZ 1994,11 u. S. M ARTIN -K ILCHER – C. E BNÖTHER , Ein römisches Heiligtum in Yvonand  ,http://www.unibe.ch/unipress/heft111/beitrag9.html (Zugriff am 25. 02. 2008 13.06Uhr). Der Umgangstempel war mit 280 m 2 größer als diejenigen der Engehalbinselvon Bern und erreichte die Ausmaße von Tempeln in der helvetischen Hauptstadt  Aventicum . Die villa am Südufer des Lac de Neuchâtel wurde im frühen 2. Jh. auf einemVorgängerbau errichtet und blieb nach mehreren Umbauten, zuletzt in der Mitte des4. Jh., bis in das 6. Jh. d.C. hinein besiedelt; vgl. D UBOIS – P ARATTE 2001.  Acme 103 - 14 Spickermann 10-07-2008 9:23 Pagina 311
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