João Pedro Gay, in: BBKL, : Bd. 40. Ergänzungen XVII 2019, Spalte 249-270

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  GAY, Jean-Pierre 4040 Souza 2017). Zum einen interessierte er sich als einer der ersten Zeitgenossen für das histori-sche Erbe der Jesuiten in der ehemaligen jesui-tischen Provinz Paraquaria (die weit umfang-reicher war als das heutige gleichnamige Land Paraguay und Gebiete im heutigen Nordargen-tinien einschloss, die Provinz Misiones, deren  Name an die Jesuiten erinnert). Dazu trug bei, dass er sich während seiner Tätigkeit in São Borja an der Grenze zu Argentinien in der Nä-he des historischen Kernlandes der Jesuitenre-duktionen genannten Missionsdörfer aufge-halten hat. Er konnte daher auch die wertvollen Originale der ersten argentinischen Jesuiten-druckerei von ca. 1700-1727 im Original erlan-gen. Laut dem oben zitierten Dokument zu sei-ner Bibliothek (Jardim, 2015, S.226) besaß er den eigenen Sammlungsteil einer »Coleção de livros guaranis antigos, edições esgotadas«, deren Wert er mit der Hälfte des Werts seiner über 1000 Bände umfassenden Bibliothek an-gibt. Gay hat das ehemalige Missionsgebiet der Jesuiten auch bereist und in einem historischen Werk (1861) ihr Wirken gewürdigt. Das Werk war die damals übliche Voraussetzung für die Aufnahme in das IHGB (Instituto histórico e geográco brasileiro) in Rio als korrespondie - rendes Mitglied (membro correspondente). Spätere Historiker, auch der argentinische Je - suitenhistoriker und Spezialist der Geschichte der Reduktionen Guillermo Furlong S.I., ha - ben dieses Werk Gays zwar wegen sachlicher Fehler und Flüchtigkeiten negativ bewertet (Guillermo Furlong 1953, S.92/93, und Fußno -te 78, ein neueres kritisches Urteil von Marcelo Alejandro Acosta 2016, S.285), es kommt ihm aber für die Zeit die durchaus innovative Funk  -tion zu, die damals fast vergessene historische Bedeutung jesuitischen Wirkens für die Regi -on in das Zentrum seiner Analysen gestellt zu haben. – Der zweite wichtige Tätigkeitsbereich von Gay lag im Bereich der Ethnolinguistik. Durch den sicher angesichts seiner Tätigkeit als Geistlicher gegebenen Kontakt mit Gua- raní-Sprechern seines Wirkungsbereichs, wo eine moderne Form des Guaraní damals nicht nur familiäre Nähesprache war, sondern auch Verkehrs sprache weiter Teile der Bevölkerung GAY, Jean-Pierre, später João Pedro (1815-1891), in Brasilien wirkender Geistlicher, zu -meist zitiert mit seinem von Kaiser Pedro II verliehenen Ehrentitel cônego »Kanoniker«, Historiker und Linguist französischen Ur- sprungs, später brasilianischer Staatsbürger. Geboren 1815 in Châteauroux, Hautes Alpes (nach Georges Dioque, Dic. biographique des Hautes Alpes, Gap 1996, fälschlich nden sich auch andere Ortsangaben zum Geburtsort), Besuch des Priesterseminars in Gap (Frank  - reich), Priesterweihe 1840 in Gap (Rubert, 1998, Bd. 2, S.88), wirkte er ab 1842 in Monte - video, 1843 in der brasilianischen Provinz Santa Catarina, wohl in Santa Ana de Vila No- va. Im Jahre 1844 wurde er in Rio Lehrer für Französisch und Mathematik am Colégio Sa - raiva, 1848/49 Geistlicher in Alegrete, Rio Grande do Sul. 1849 nahm er die brasilianische Staatsbürgerschaft an, 1850-1874 wirkte er in São Borja, ebenfalls in Rio Grande do Sul, di -rekt an der Grenze zu Argentinien. Er betreute  bei Bedarf auch Gläubige jenseits der Grenze in Puerto Hormiguero in der argentinischen Provinz Corrientes. 1861 erhielt er den Ehren- titel Cônego Honorário da Capela Imperial. Im Juni 1865 wurde in den Kriegswirren von dem Tenente-Coronel Antônio Estigarribia seine Bibliothek in São Borja zerstört (die Verlustlis- te in Jardim 2015, Annex 22: Relação dos pre -  juízos sofridos pelo Padre João Pedro Gay por ocasião da Invasão Paraguaia, São Borja 10.6. 1865). Allerdings blieben vor allem einige sei- ner wichtigen Manuskripte, von denen wohl Kopien existierten, erhalten, siehe unten. Nach der Eroberung schrieb Gay 1865 an Francisco Solano López, den paraguayischen Herrscher, einen vorwurfsvollen Brief, auch mit drasti-schen Ausdrücken auf Guaraní, in dem er ihm die Untaten von dessen Soldatesca in São Bor- ja und die dortigen Zerstörungen vorwirft (in Jardim 2015, Annex 21). Der Brief ist aber rein rhetorisch und wurde wahrscheinlich nie ab-geschickt. Gay zog sich im Alter nach Urugu-aiana zurück. Im Jahr 1874 wurde er dort Vikar (vigário), dort starb er 1891. – Gays Bedeutung erstreckt sich vor allem auf zwei Bereiche ne- ben seiner Tätigkeit als Geistlicher (hierzu  GAY, Jean-Pierre 4141 verfasst. Pedro II., der auch zum Thema ano- nym publiziert hat (1889, Neuausgabe von Le - mos Barbosa 1945), förderte durch die Grün -dung des bis heute existierenden Instituto histórico e geográco brasileiro (IHGB) in Rio die Sprachforschung zu indigenen Spra -chen und die gezielte Sammlung und Edition von Quellen zur brasilianischen Geschichte. Auf seine Initiative hin wurde die bedeutende Manuskriptsammlung des argentinisch-italie -nischen Sammlers Pedro de Angelis (1784- 1859, hierzu Obermeier 2014) für die Natio - nalbibliothek in Rio erworben, wo sie sich noch heute bendet. Zu diesem historischen Erbe gehörten für den auch persönlich an Sprachen interessierten Pedro II. auch frühe Guaraní-Quellen. Die Sprachforschung diente ihm zur Schaffung einer nationalen Identität, auch wenn die meisten Guaraní-Sprecher zah - lenmäßig auf spanisch-amerikanischem Ter  -ritorium lebten. Das Institut würdigte Gay dann auch durch einen Nachruf (N.N. im Rah -men eines größeren Artikels Elogio dos socios falecidos in: Revista do Instituto Histórico e Geográco de Rio de Janeiro, Bd. LV, 1/2 tri - mestre / 1 parte, 1892, S.492-488). Das dem Guaraní eng verwandte in der brasilianischen Litoralregion gesprochene Tupi (mit dialekta - len Varianten wie Tupinamba und Tupiniquin, heute ausgestorben) war die erste indigene Sprache, mit der die frühen Siedler in Brasili -en Kontakt mit der einheimischen Bevölke- rung hatten, und wurde im 19. Jahrhundert wiederentdeckt, nicht nur in der Richtung des Indigenismo in der zeitgenössischen Literatur oder in der bildenden Kunst, sondern auch für Ortsbezeichnungen und Adelstitel als nationa-les Identitätsmerkmal bewusst verwendet. Gay hat Pedro II. und die Linguisten in seinem Umfeld in ihren Forschungen unterstützt. Er hat dem Kaiser Materialien zur Verfügung ge- stellt, so Exemplare der linguistischen Werke der frühen argentinischen Jesuitenpresse aus den Reduktionen. Er konnte sich diese wohl vor Ort in dem ehemaligen Jesuitengebiet be-schaffen. Bei einigen der Werke aus der Bib-liothek des Kaisers, heute überwiegend in der  Nationalbibliothek in Rio, ist Gay als Vorbe - (in Paraguay bis heute zweite Staatssprache), hat er sich eine für die Zeit außergewöhnliche Sprachkenntnis angeeignet, die ihm auch bei der Lektüre historischer Dokumente in der Sprache zugutekam. So hat er für sein histori -sches Werk nach eigenem Bekunden für die Geschichte des von den spanischen Jesuiten aufgrund des Drucks der Sklavenjäger aus São Paulo, der bandeirantes aufgegebenen Provinz Guaira (heute Teil des Estado do Paraná, Süd-Brasilien), eine Guaraní-Übersetzung der Conquista espiritual von Ruiz de Montoya (1639, BBKL XXIII, Sp. 1231-1248), zugrunde gelegt. Gays Studie erschien als Historia da re-  publica jesuitica do Paraguay, in der Revista do Instituto historico do Brasil, tomo XXVI, 1863, mit Auszügen dieser in mehreren Manu - skripten erhaltenen Übersetzung, natürlich ins Portugiesische übersetzt. Gay verwendet Mon- toya besonders in Kapitel 5, S.186-240, und S.241-268 notas. Gays Geschichtswerk wurde von dem bedeutenden brasilianischen Schrift- steller José Martiniano de Alencar, (1829- 1877) als Quelle herangezogen, er zitiert es an einer Stelle in den Fußnoten seines Romans O gaúcho, erstmals 1870 (in der Neuausgabe von 1923, Bd.1, S.234), was zeigt, dass er es ver  - wendet hat, um den Typus des Gaúcho aus der südbrasilianischen Pampa literarisch authen -tisch zu behandeln. Das Buch ist Teil von Alen- cars Versuch auch die Regionen des Landes als Thema der Nationalliteratur zu erschließen. – Gay war trotz seiner Tätigkeit an Orten, die weit ab von den Zentren brasilianischer Kultur und den dortigen Universitäten und For  -schungsinstituten lagen, gut mit dem brasilia- nischen Hof sowie Forschern und Forschungs - institutionen vernetzt. Seine Sprachforschungen  brachten ihn auch früh in Kontakt mit Kaiser Pedro II., dessen linguistische Interessen sich mit Gays Interesse am Guaraní überschnitten. Pedro II. schrieb handschriftliche Anmerkun- gen zu einem Exemplar von Gays handschrift -licher Nouvelle Grammaire de la langue Gua-rany concluída em 1864, die sich laut dem Verlustinventar in Jardim 2015, S.226 im Jahr 1865 noch in seinem Besitz befand. Wahr-scheinlich hat er das Buch auch für den Kaiser  GAY, Jean-Pierre 4242 einem Widmungsbrief anempfohlen hat und in Anlehnung an jesuitische Bemühungen die Guaraní-Sprache in den Jahrhunderten zuvor als Koine-Sprache der Region Paraguay zu verwenden, die Bulle Ineffabilis deus (1854) von Pius IX. (BBKL VII, Sp. 677-678) über das Dogma der unbeeckten Empfängnis ins Guaraní (publiziert posthum 1958). Gay war ab 1861 auch Mitglied eines kurzlebigen die Ge- schichte der Region, in der er wirkte, erfor  - schenden Instituto Histórico e geográco de São Pedro, das nur von 1860-1863 existiert hat. Heute gibt es eine Nachfolgeorganisation. São Pedro do Rio Grande do Sul war der damalige  Name der heute als Rio Grande do Sul bezeich - neten Provinz. Dort publizierte er in einer Zeit -schrift des Instituts neben einigen statistischen Daten zu seiner Region 1863 die Transkription einiger Guaraní-Verse, seine einzige Publikati- on über die Sprache. Es handelt sich hierbei um ein wohl auf die Jesuiten zurückgehendes und mündlich tradiertes Gedicht/Lied aus den in den Reduktionen in Südamerika genauso wie in Spanien wichtigen Prozessionen der Kar  -freitagswoche. – Persönlich befreundet war Gay mit dem ganz in der Nähe lebenden fran- zösischen Naturforscher Aimé Bonpland. Ai - mé Jacques Alexandre Bonpland (eigentlich Goujaud, geboren 1773 in La Rochelle, Frank  -reich - 1858 in Santa Ana, Argentinien) ist als Reisebegleiter Alexander von Humboldts (1799-1804), eine der bekanntesten Figuren der lateinamerikanischen Naturkunde des 19. Jahrhunderts. Bonpland war 1816 nach dem Sturz Napoléons (BBKL XXVI, Sp. 985-1008) nach Südamerika zurückgekehrt und baute auf seinem Besitz Mate an. José Gaspar Rodríguez de Francia (1766-1840), Diktator von Paraguay, ließ 1821, um sein eigenes Monopol zu schüt - zen, die Panzung überfallen und zerstören, die Indianer verjagen und verschleppte Bon -  pland nach Asunción. Trotz Interventionen Humboldts, der brasilianischen und englischen Regierung kam er erst 1829 frei. Ab 1831 lebte er in San Borja, seit 1850 in Corrientes, wo ihm die Regierung von Paraguay ein Gut geschenkt hatte. Er starb in Santa Ana in der Provinz Mi-siones im Nordosten Argentiniens, wo er seit sitzer der Bücher zu ermitteln (siehe unten ei- nige Exemplare aus Gays Besitz aufgelistet). Die damals sehr seltenen Werke wurden da- durch erstmals einem breiteren Forscherpubli -kum bekannt. Gay interessierte sich auch für andere in der Region gesprochene indigene Sprachen und wendete dabei frühe Formen der Feldforschung an, so wurde unlängst ein Voka -  bular der Sprache der in Südbrasilien leben -den, damals abschätzig »bougre« genannten Indigenen (heute Kaingang) aus seinem Nach- lass in Rio mit Kommentar von Wilmar da Ro - cha d‘Angelis, 2010 publiziert. – Gays Gua -raní-Kenntnisse scheinen für die Zeit sehr gut gewesen zu sein. Sie überstiegen sicher dieje-nigen des italienisch-argentinischen Samm-lers Pedro de Angelis in Argentinien, der eben-falls eine Bibliothek ethnolinguistischer Drucke und Manuskripte zusammengetragen hatte, und wohl auch die von Karl Friedrich Henning (1843-1887) und Christian Friedrich Seybold (1853-1921), den beiden aus Deutsch - land stammenden Sprachlehrern von Pedro II., die sich auf dessen Wunsch auch mit dem his-torischen Guaraní beschäftigt haben (hierzu Obermeier 2015, 2016). Gay dagegen kannte Guaraní-Sprecher vor Ort, die die aktuelle Va - riante der Sprache nutzten. Seine Sprach - kenntnisse sind wohl nur mit denen von Bap -tista Caetano de Almeida Nogueira (1826-1882) zu vergleichen, der im Auftrag des Kaisers ei- ne andere Fassung der erwähnten Guaraní-Übersetzung der Conquista espiritual von Ru - iz de Montoya herausgegeben hat (1878/79, 1880). Gays Beitrag zur frühen Guaraní-For  -schung wurde anhand eines von ihm aus der Presse abgeschriebenen Guaraní-Gedichts für den Marechal López (paraguayischer Politiker und Präsident der Republik Paraguay, eigent - lich Francisco Solano López, Asuncion 1827 - Cerro Corá, 1870) gewürdigt von Obermeier/ Cerno 2017. Das Gedicht war zuvor auch in ei-nem der ersten Guaraní-Periodika erschienen (Titel: El Cabichuí, hier Año 1, n° 22, S. 4, vgl. hierzu die Ausgabe der Zeitschrift in Escobar / Salerno 2016). Gay hat auch selbst Guaraní ak-tiv verwendet, so übersetzte er, sicher auf An-regung des Kaisers, dem er die Übersetzung in  GAY, Jean-Pierre 4343 Familienbesitz von Bonplands Nachkommen sind heute noch in Institutionen in Südameri- ka. Die linguistischen Notizen Bonplands hat Gay wohl von diesem selbst zu Lebzeiten als Geschenk erhalten. – Nicht zuletzt sind die  persönlichen Erinnerungen des Zeitzeugen Gay an die Konikte zwischen Brasilien, Ar  -gentinien und Paraguay, die im so genannten Tripelallianzkrieg eskalierten und die er vor Ort in seiner Grenzregion hautnah miterlebt hat, wichtige Augenzeugenberichte. Sie wur- den publiziert als: Invasão paraguaya na fron - teira brazileira do Uruguay desde seu princi -  pio até seu m (de 10 de junho a 18 de setembro de 1865), Rio de Janeiro: Typographia imperi -al e constitucional de J. Villeneuve & Cie 1867 [Neuauage hrsg. Rodolfo Garcia, 1942,  Nachdruck 1980]. Der Bericht wird bis heute als einer der wenigen Augenzeugenberichte von einem Nicht-Militär aus dem Tripelalli - anzkrieg häug in historischen Werken er  - wähnt (exemplarisch: Jardim 2015). – Gay gilt auch als früher Förderer der Homöopathie in Brasilien, die er selbst als einer der ersten in dem Land aktiv betrieb (Weber 2007). Er war gern besuchter Anlaufpunkt zahlreicher vor allem französischer Reisender, insbesondere von Besuchern, die Bonpland kennen lernen wollten, was seiner Vernetzung mit europäi - schen Forschern nützte. Der französische Geograph und Arzt Alfred Demersay (1815-1891) hielt sich im Auftrag der französischen Regierung 1844-1847 im La Plata-Raum und davon vier Monate in Paraguay auf. Er besucht Bonpland 1845 in São Borja und berichtet über seine Zeit in dem Land in einer späteren Publi - kation (1860-1869). Ein anderer Reisender, Victor Martin de Moussy, ebenfalls von der Ausbildung her Arzt, tat es ihm nach; auch er wurde als Reiseschriftsteller tätig (sein Reise - bericht erschien 1860-1864), beide Autoren er-wähnen die Gastfreundschaft von Gay, die si- cher auch sein Wissen um europäische intellektuelle Entwicklungen à jour hielt. Auch der deutsche Arzt und Brasilienreisende Robert Avé-Lallemant erwähnt ihn in seiner Reise durch Südbrasilien im Jahr 1858, 1 Teil, Leipzig 1859, S.318 anlässlich seines Besuchs 1853 gelebt hat, heute heißt der Ort Bonpland. Er lebte also räumlich ganz in der Nähe von Gay. Dieser kümmerte sich bei Abwesenheit Bonplands auch um dessen Bibliothek. Gay hat sich wohl auch in seinen linguistischen Studien frühe weitgehend unerforschte Mate- rialien von Bonpland benutzt (ein Manuskript in der Biblioteca nacional, in der Folge BN, in Rio trägt heute den Titel Aimé Bompland, Sur la langue des indiens Guaranís 1821, MS: 06,1,014 und die Rückenaufschrift »Bompland & Gay/Língua Guaraní, 1821«, es handelt sich also offenkundig um Material von Bonpland, das Gay weiterverwertet hat). – Zentral wurde sein Wirken als Nachlassverwalter von Bon-  plands Hinterlassenschaften. Nach dem Tod von Bonpland hatte der von Woodbine Parish, dem englischen Vertreter in der Region, infor  - mierte Humboldt die Académie des Sciences in Paris von dessen Ableben in Kenntnis ge-setzt und auf den Wert der Materialien Bon-  plands in Südamerika hingewiesen (die dies -  bezüglichen Briefe in Hamy 1906, 290/291). Von Seiten des Pariser Musée d’histoire natu - relle wurde von Frankreich Anspruch auf Bonplands Papiere und Herbarien erhoben, dies geschah über den französischen Ge-schäftsträger in Asunción, Comte Alfred de Brossard. Dieser wandte sich nach Vermutung von Henri Cordier 1910, hier S.456, an Gay, der ihm als gebürtiger Franzose und enger Freund von Bonpland sicher bekannt war. Dies war sicher auch im Sinne von Gay, dem daran lag, den damals im Vergleich zu Humboldt weitgehend vergessenen Bonpland in der eu - ropäischen Forschung angemessen zu würdi -gen. Er beschränkte sich aber auf einen Teil des Nachlasses, so vermittelte er Bonplands wichtige naturkundliche Schriften nach Frankreich und sorgte damit für ihre Erhal -tung. Heute sind sie in der Bibliothèque cen-trale du Museum national d‘histoire naturelle in Paris, darunter auch ein zusammen mit Humboldt geführtes Reisetagebuch, das re - konstruierbar ist (N° 1-690: Ms 1332, N° 691-1215: Ms 1333, N° 1216-1591: Ms 1334, N° 1592-2257: Ms 2534, N° 2258-3698: Ms 53, N° 3699-4528: Ms 54). Weitere Nachlassteile aus  GAY, Jean-Pierre 4444 wähnte Schriften, so einen Tratado de Teologia Moral, den Gay dem Bischof von Rio de Janei -ro, Conde de Irajá, 1862 übergeben hat, sowie andere Schriften wie ein Compêndio de Histó - ria Natural sind wohl verloren. Manuskripte nden sich auch in der Biblioteca Nacional in Rio, so eine Notice sur les dernières années de la vie du naturaliste Mr. Aimé Bompland, sur sa mort, et son heritage scientique, Rio de Janeiro, 1861, zum wohl richtigen Datum der Endredaktion dieses Manuskriptes siehe unten unter handschriftlichem Nachlass, leider ist der Katalog der Handschriften der Nationalbi- bliothek im Netz nicht vollständig. Maestri 2013, 145 erwähnt zudem zahlreiche pseudo -nym erschienene journalistische Arbeiten in lokalen Zeitungen wie dem Jornal do Comér  -cio, Alegretense, Correio do Sul, Conciliador, Estrela do Sul. Diese sind wohl nicht genauer ermittelt. Über das Privatleben von Gay ist we-nig bekannt. Der für den Zeitkontext ange-sichts seiner Herkunft von einfachen französi-schen Landleuten durchaus am Lebensende wohlhabende Gay (hs. Inventario seiner Be-sitztümer, siehe unten) hinterließ für Südame-rika nicht ungewöhnlich aus einer Beziehung mit Carolina Larramendi, einer Frau aus Para -guay, 8 Kinder, die er 1874 anerkannt hat.  Handschriften:  Nachlass von Gay:Nachlass im Ins-tituto histórico e geográfico brasileiro, IHGB, Kurz-  beschreibung unter: http://censoarchivos.mcu.es/CensoGuia/fondoDetail.htm?id=802094, dort auch unpubl. Findmittel. Herkunft: donado por: EVARIS - TO DE MORAIS, fecha: 1920; donado por: TENI - ENTE AGRÍCOLA BETHLEM, fecha: 1923. – Wir führen hier aus Platzgründen exemplarisch nur die linguistischen Handschriften einzeln auf (die Signa-turen nach dem Zettelkatalog): DL 1116.2 Novo resu- mo da gramática guarani, pequeno livro manuscrito vocabulário guarani francês, anotações de gramática indígena sobre plantas medicinais, fragmento de tra - dução do evangelho ao guarani ; DL 1116.3 Carta a s. M.M.I. D. Pedro II dedicando-lhe seus escritos sob- re a língua guarani 1881; DL1116.4 Estudos do pad - re João Pedro Gay para uma gramática guarani-tupi e para um manual de conversação, para os sul-ameri - canos, comparando as línguas indígenas com o por  - als »die bekannteste Persönlichkeit der gan-zen Gegend«. – Leider fehlt eine umfassende Biographie des Wirkens von Gay auf den ver  -schiedensten Gebieten. Seine ethnolinguisti-schen Notizen verdanken sicher den Jesuiten der Reduktionen und Bonplands Vorarbeiten viel. Über die Quellen der Grammatik überlie-fert uns der Erste Sekretär des Instituto His- tórico e Geographico da provincia de São Ped - ro in einem Rechenschaftsbericht über die Aktivitäten der Vereinigung einige wichtige, sicher auf das Mitglied Gay zurückgehende Informationen, als er von Gays Absicht sprach, das Werk zu veröffentlichen. (João Luiz And- rade de Vasconcellos, Discurso, in: Revista trímensal do Instituto Histórico e Geographi - co da provincia de São Pedro, anno III, vol. III, n. 1, Porto Alegre, 1862, Neuauage dieses Hefts in der gleichnamigen Revista II, trimest - re 1946, Nr. 102, S.210/211, zitiert nach Gomes 2012, S.171). Andrade de Vasconcellos schreibt an dieser Stelle, die Grammatik sei eine »obra e estudo de muitos anos, e do feliz achado de intérpretes e memórias que o [Gay] habilita - ram para levar a efeito não só este como a ante - cedente [i.e. Gays Publikation Historia da Re -  publica...]«. Die Stelle zeigt deutlich, dass er für das Werk auch frühere Quellen verwendet hat, dies schließt sicher auch die Bonpland-  Notizen zum Guaraní ein. – Es kam nicht mehr zu einer Veröffentlichung, auch wenn er die Absicht nicht aufgegeben hat (sie war geplant laut dem Nachruf von NN. 1892, S.491 in einer Zeitschrift der Biblioteca Nacional in Rio, später in einem ausländischen Verlag, es kam aber keines von beidem zustande). So können die linguistischen Aspekte seines vielfältigen Wirkens erst heute gewürdigt werden. In die-sem Bereich ist in zukünftigen Studien noch mit wichtigen Erkenntnissen zu rechnen. Ins- besondere der Wert der von ihm verfassten linguistischen Materialien für unsere nur sehr lückenhafte Kenntnis des damaligen Guaraní als regionalspezische Variante in Misiones und dem angrenzenden brasilianischen Gebiet ist sehr hoch einzuschätzen. Einige bibliogra-  phische von Blake Sacramento in einem bio - graphischen Lexikon kurz nach Gays Tod er  -
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