Die Zwölf Götter, Hera und die Verherrlichung der Attaliden am Großen Altar von Pergamon

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  Die Zwölf Götter, Hera und die Verherrlichung der Attaliden am Großen Altar von Pergamon
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   DIE ZWOLF GOTTER, HERA UND DIE VERHERRLICHUNG DER  ATTALIDEN AM GROSSEN ALTAR VON PERGAMON'  von EUGENIO LA ROCCA  Die Prdsentation der neurestaurierten Platten des Telephosfrieses 1996 in Rom hat d  grofles Echo gehabt. Der Archdiologe Eugenio La Rocca, Sovraintendente ai Beni Cul des Comune di Roma und eminenter Kenner der splithellenistisch-r6mischen ideolo Kunstikonographie, beleuchtet im folgenden das historische Ereignis ,Pergamonalta wissermafien aus riimischer Sicht. Den iiberlegungen zur Lage des Altars im Stadtpl Pergamon folgen solche zur Weihinschrift und zur Bildabfolge der beiden grofien La Rocca stellt heraus, daft in der Mitte der Nordseite des Grofjen Frieses die G6tti  Gemahlin des Zeus, und in der Mitte der Nordseite des kleinen Frieses die Amazone Hiera, Gemahlin des Telephos, dargestellt waren: Das entspricht der iiberragenden Stellung derApol-  lonis, Gemahlin Kinig Attalos' I. sowie Mutter der Altarerbauer Eumenes II. und Attalos II.  Des weiteren werden die Spditdatierung des Altarbaus nach 168 v. Chr. sowie die Weihung an die Zwiolf G6itter (und den verg6ttlichten Eumenes II. nach dessen Tod 159 v. Chr.) in Paral-  lele zum r6mischen Pantheon (mit der Statue des vergbttlichten Julius Caesar im Inneren)  erneut diskutiert.  Die Forschungen fiber die pergamenische kiinst-  lerische Kultur haben sich in den letzten Jahren be-  eindruckend vermehrt, was freilich uiblich ist, wenn neue Ansitze zu einem angeblich veralteten  Thema entwickelt werden. Fragen, die fiber lange Zeit nicht mehr interessant erschienen, kommen  wieder auf, nun aber unter neuen Gesichtspunk-  ten, wodurch die Diskussion belebt und die Auf-  merksamkeit immer neuer Forscher erweckt wird.  Der Grobe Altar von Pergamon (Abb. 1) wurde  bisher wenig von der neuen Str6mung betroffen,  denn das allgemeine Interesse gait vor allem den beruihmten rhodischen Gruppen von Sperlonga,  dem Laokoon, dem Farnesischen Stier: Fir sie  wurde die Miglichkeit einer pergamenischen Her- kunft mehrfach vorgeschlagen und zugleich zu- riickgewiesen. Die Untersuchungen fiber die mig-  lichen kulturellen Umkreise dieser Werke haben  dann dazu gefifhrt, der Taitigkeit von nur literarisch  bzw. epigraphisch nachgewiesenen Meistern nach-  zugehen. Zunichst profilierte sich die Gestalt des Menekrates, des Pflegevaters (oder des ideellen Meisters) von Apollonios und Tauriskos von Tral-  les. Er war Autor zumindest eines Abschnitts der  Reliefs des Groben Altars, und eine nicht ganz un-  begriindete Hypothese von Arnold v. Salis identifi-  zierte ihn mit dem Architekten und Entwerfer der  Gestaltung des Altars selbst.2 Dann folgte die Re-  konstruktion des Werks von Phyromachos, dem durch eine Reihe von interessanten, dennoch hy-  1 Dieser Aufsatz ist die fiberarbeitete Fassung eines zuerst im Ka-  talog der Ausstellung >>L'Altare di Pergamo - II fregio di Telefo< (Rom  - Palazzo Ruspoli, Herbst 1996) ver6ffentlichten Textes. Die Uber-  setzung ins Deutsche iibernahm Eugenio Polito, dem ich auch  wegen der beim Lesen entstandenen niitzlichen Beobachtungen  danken m6chte. Mein Dank gilt insbesondere Wolf-Dieter Heil-  meyer, mit dem ich die Grundfragen dieser Forschung noch  wahrend der Vorbereitung diskutieren konnte: Sein kritischer Bei-  trag hat diesen Text wesentlich bereichert.  2 F. Bucheler und G. Loeschke haben unabhangig voneinander vor-  geschlagen, Menekrates, der einen Teil des groBen Frieses des Altars  signiert hat (M Frankel, Die Inschriften von Pergamon, Altertii-  mer von Pergamon VIII 1, 1890, 56 A-C Nr. 70), mit dem sonst aus keiner anderen Quelle bekannten vornehmen Architekten zu iden- tifizieren, den Ausonius in der Mosella im Rahmen einer Liste von  beriihmten Architekten (Mos. 298-320; Menekrates zu V. 307) er-  wiahnt. Das Werk wurde 371 n. Chr geschrieben; seine Quelle  scheinen die Imagines des Varro gewesen zu sein, die auch von  Plin. N.H. VII 125 verwendet wurden (wo aber Menekrates nicht genannt ist). Die von Ausonius genannten Architekten sind: Dai-  dalos, Philon (Skeuothek im Piraeus), Archimedes, Menekrates,  Chersiphron (Autor des ailteren Artemision von Ephesos), Iktinos, Deinochares (Autor der Pyramide im Arsinoeion zu Alexandrien).  Ausonius sagt letztendlich, daB die reichen Villen an der Mosel der groben Architekten der Vergangenheit nicht unwiirdig waren. Die  Hypothese wurde ausfiihrlich verteidigt von A. v. Salis, Der Altar  von Pergamon, 1912, 10 ff. (und 14 f. zur rhodischen Herkunft des Meisters). G. Lippold (in: G6ttingische Gelehrte Anzeigen 1914, Nr.  6, 351; ders. in: Paulys Realencyclopaidie der classischen Alter-  tumwissenschaft XV 1, 1931, Sp. 802 f. Nr. 34) warnt davor, eine   8 EUGENOLAROCCA  Abb 1 Pergamn Gro3erAtar pothetschenBeobachtungensogar d  grtinders der pergamenischen Bildsprache zuge-  schrieben wurde: sollte dies bestitigt werden, so  mtil3te er unter die grbf3ten Ktinstler aller Epochen  gezihlt werden.3  Mittlerweile haben sich unsere Kenntnisse der  Topographie und der Stadtplanung von Pergamon  spiirbar verbessert (Abb. 2): Durch eine Reihe von  Untersuchungen, mit Hilfe von gezielten stratigra-  phischen Grabungen, wurden die Ergebnisse der  alten Grabungen aus der Zeit um die Jahrhun-  dertwende sorgfiltig nachgepruift. Die neuen Er-  gebnisse sind trotz der liuckenhaften Daten, woran  vor allem ein verbltiffender Mangel an literari-  schen Quellen schuld ist, doch bedeutungsreich. Im  Rahmen einer Untersuchung zu den pergameni- schen Weihgeschenken - mit einem scharfsinnigen Deutungsansatz im Licht der Stadtplanung - hat  Filippo Coarelli vor kurzem den Mangel an Bemti-  hungen beklagt, die wenigen Schriftquellen mit  den archaologischen Daten zu verbinden. Zugleich  zeigte er, wie unbefriedigend die Deutung der Stadtplanung von Pergamon im Sinne der traditio-  nellen >hippodamischen< Schemata klassischer  Zeit eigentlich ist: Dadurch sei die Neuheit eines vor allem auf optischen Linien basierenden, so-  mit viel raffinierteren Schemas ganz iibersehen  worden.4  Ist dem wirklich so? Durch die Anregung von  W. Radt hat die Forschung fiber die Stadtplanung  eine bemerkenswerte Entwicklung erlebt, insbe- sondere was die Organisation und den architekto-  nischen und umfeldbezogenen Kontext des Stadt- raumes angeht.5 Man hat z.B. erkannt, daB die an-  solche Identifikation fur absolut gesichert zu halten: Der Name Me-  nekrates ist nicht so selten und ist an mehreren Orten in Grie-  chenland, auch in Bootien zu finden. Eine Kiinstlerfamilie, in der  die Namen von Menekrates und Sopatros von Theben wiederkeh- ren, war in Delphi titig, wo die Signaturen eines Menekrates, Sohn des Sopatros, und eines Sopatros, Sohn des Menekrates, gefunden wurden. Eine davon bezog sich auf eine Reiterstatue des M. Minu- cius Rufus, des Triumphators fiber die Scordisci und die Triballi  im Jahre 106 v.Chr. Frfiher wurde die Taitigkeit des in Frage kom-  menden Menekrates um 200 v.Chr. gesetzt, aber aufgrund von zu-  sitzlichen neuen Argumenten, darunter die ihm mit einem Beschluf3  von 139/8 erteilte Proxenie (Supplementum Epigraphicum Grae-  cum I, Nr. 191), scheint er doch in den letzten Jahrzehnten des 2. Jhs. v.Chr. tditig gewesen zu sein (Paulys Realencyclopaidie der  classischen Altertumwissenschaft XV 1, 1931, Sp. 802 Nr. 33 s.v. Me-  nekrates [Lippold]; J. Marcad6, Recueil des signatures grecques I, 1953, Nr. 82. 83).  3 Phyromachos-Probleme, hrsg. B. Andreae, 1991; H. Miiller in:  Chiron XXII, 1992, 195 ff.; B. Andreae in: Rimische Mitteilungen  100, 1993, 83 ff.  4 F. Coarelli, Da Pergamo a Roma, I Galati nella citth degli Atta-  lidi, 1995, 37 ff. Die Deutung einer >optischen< Sicht ist von C.A.  Doxiadis, Architecture and Space in Ancient Greece, 1972, 104 ff.  5 W. Radt, Pergamon, Geschichte und Bauten, Funde und Erfor-  schung einer antiken Metropole, 1988. Zur Stadtanlage und Ar- chitektur von Pergamon jetzt: W. Hoepfner in: W.-D. Heilmeyer  (Hrsg.), Der Pergamonaltar - Die neue Prdisentation nach Restau-  rierung des Telephosfrieses, 1997, 24 ff.   DIE ZWOLF GOTTER, HERA UND DIE VERHERRLICHUNG DER ATTALIDEN AM GROSSEN ALTAR VON PERGAMON 9  ::::: 4q 6?r~ l 1? 12  nn  . PERGAMON Y \  Rekonstruktionsvorsuch des Stadtplanes/  1x,, ,, ii ... te Awnk* Tor11f Op  MdnkSeaBu4?Rste  o  4x.....a  Bschung/ ted  Cot  :lr i. t lTBf i' ~i: :  .u ne??a  .., / /' . "I / ii /I " .... . I -   I ' . .  - W arsier .j  I SMnZNOWu,T  / 4  i  + i~ .. .... :,. ;, .. o ,  RdmchsTa  <i? i $ i~it a 17 ... .....  Rate a i I:Ke&Mtaft  4. f  L-~  hm0iii ~  Ab 2 PanvonP  10 EUGENIO LA ROCCA Abb. 3 Pergamon. Terrassen des Athena-Polias-Tempels und des Groen Altars von der Oberen Agora aus gesehen (Rekonstruktionszeichnung Klaus eidt) Bauphse li Eno 3. Jh. v Cr Abb. 4. Pergamon. Plne der Phasen III und IV /V des Gelndes zwischen der Athena-TempelTerrasse und der oberen Agora nach K. eidt scheinend unsyetrische Gestaltung der Terrassen, die unittelbar unter der breiten Terrasse des Athena-Polias-Heiligtus liegen, in der Tat einer strengen und einheitlichen Stadtplanung nach optischen Achsen entsprach, die dazu diente, die wichtigsten architektonischen Koplexe auf den Terrassen iteinander zu verbinden: den pel der Athena Polias it de Groen Altar, und 6 K. eidt in: Istanbuler Mitteilungen XLII, 1992, 235  266 . Zum Kult des Zeus Soter und zu seinem Altar: E. Ohlemutz, Die Kulte und Heiligtmer der Gtter in Pergamon, 1940, 68  mit Anm. 24; L. Robert, Documents d'Asie Mineure, 1987, 465 Anm. 25 (der mit besonderem Nachdruck unterstreicht, da der Groe Altar nicht dem Zeus Soter zugeschrieben werden kann). Der Altar ist auch zitiert bei M. Frnkel, Die Inschrien von Pergamon, Altertmer von Pergamon VIII 2, 1895, 177 Nr. 251 = G. Dittenberger, Sylloge Inscriptionum Graecarum, 18981901 2 , Nr. 592. Zum em- diesen it den Altren der Oberen Agora und it de sog. Zeus-Soter-Tepel. 6 Nichts ist darin streng syetrisch: I Gegenteil hat man versucht, die architektonischen Strukturen so zu verteilen, da die dadurch entstandene Gliederung als ein Ergebnis der Gelnde erschien. U de Groen Altar it seiner breiten Terrasse Platz zu schaen, wurde ein Apsisbau abgerisssen, dessen pel der Oberen Agora, vielleicht dem des Zeus Soter: Ohlemutz a.O. 69  73 . (Die Zuschreibung basiert aufder Inschri bei M. Frnkel, Die Inschrien von Pergamon, Altertmer von Pergamon VIII 2, 1895, Nr. 325, die auf einer von einem ZeusPriester geweihten Herme des Hermes erscheint: s. aber auch M. Frnkel, Die Inschrien von Pergamon, Altertmer von Pergamon VIII 1, 1890, Nr. 40). Der Kult existierte bereits gegen Ende des 3. Jhs. v.Chr. (eidt a.O. 252 ).   DIE ZWOLF GOTTER, HERA UND DIE VERHERRLICHUNG DER ATTALIDEN AM GROSSEN ALTAR VON PERGAMON 11  Abb. 5. Pergamon. Plan der Terrassen des Athena-Polias-Tempels  und des Grofen Altars (nach H. Kahler)  Reste jetzt in den Altarfundamenten verbaut sind  - eine wahre archiologische crux. Dazu wurden einige Haiuser abgerissen, die entlang der ur-  sprtinglichen Befestigung des Philetairos - mit  Verstdirkungen Attalos' I. - standen. Selbst die  Mauer, die in dieser Gegend wegen der fortschrei-  tenden Stadterweiterung nutzlos geworden war,  fiel dem Neubau zum Opfer. Dadurch ergab sich,  daB aus der sog. Oberen Agora, die die unterste  Terrasse mit dem sog. Zeus-Soter-Tempel teilte, der Blick auf den Groben Altar und dartiber hinaus auf  das Athena-Polias-Heiligtum zielen konnte, wobei  die Terrasse des Grolen Altars wie ein Keil in die  Agora-Terrasse eindrang und eine besondere Ver-  teilung ihrer Stoen bestimmte. Damit hinderten  keine dazwischenstehenden Strukturen die raffi-  nierte perspektivische Sicht der ideell im selben Ho-  rizont eingebundenen heiligen Bauten (Abb. 4).  Um jegliche Hindernisse an dieser Sichtachse zu entfernen, wurde eine mehrstickige, vielleicht  fiur den Handel gedachte Stoa, die die spditer fuir den  Groflen Altar genutzte Terrasse mit der des Athe-  na-Polias-Heiligtum verband, kuirzer und niedriger gemacht. An ihrer Stelle, entlang der zum Eingang  (Abb. 5) der Akropolis und der Kiinigspaliste ffih- renden Strafle, entstand ein am Hiigelfelsen ange-  lehnter Bau, der aus mehreren Riumen (zwilf ?)  bestand.7 Vermieden wurde auch die Errichtung von  7 J. Schrammen, Der Grosse Altar, Der Obere Markt, Altertiimer  von Pergamon III 1, 1906, 88 ff. Taf. XXI; Rheidt a.O. 261 f. Abb. 8;  266 ff. Abb. 10.
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