Desiderata und Perspektiven der Forschung über parasoziale Interaktionen und Beziehungen zu Medienfiguren

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  Obschon parasoziale Interaktionen und Beziehungen als eines der wichtigsten Konzepte innerhalb der Kommunikationswissenschaft gelten, weisen sie eine Reihe von Desiderata und Unklarheiten auf, welche den Informationsgehalt und die Anknüpfbarkeit des
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  1 Zusammenfassung  Holger Schramm/Tilo Hartmann/Christoph Klimmt:  Desiderata und Perspektiven der Forschung über parasoziale Interaktionen und Beziehungen zu MedienfigurenObschon parasoziale Interaktionen und Beziehungen als eines der wichtigsten Konzepteinnerhalb der Kommunikationswissenschaft gelten, weisen sie eine Reihe von Desiderata undUnklarheiten auf, welche den Informationsgehalt und die Anknüpfbarkeit des Konzeptesverringern. Der vorliegende Artikel thematisiert nicht nur diese Desiderata, sondernunterbreitet darüber hinaus auch erste Lösungsvorschläge. Zunächst werden Unschärfen der Definition zentraler Elemente wie des Interaktionsbegriffs, des Beziehungsbegriffs und desPersonabegriffs diskutiert. Darauf folgend werden Anknüpfungspunkte an anderekommunikationswissenschaftliche und psychologische Theorien und Konzeptevorgeschlagen. Abschließend werden grundlegende methodische Probleme der Erhebung parasozialer Phänomene erörtert und das gängige Erhebungsinstrument, die Parasocial-Interaction-Scale, kritisch betrachtet. Ziel der Darlegungen ist es, Wege aufzuzeigen, die zueinem präziseren Verständnis parasozialer Phänomene führen und die Integrationunterschiedlicher Konzepte und Theorien der Rezeptionsforschung vorantreiben können.  2 Summary  Holger Schramm/Tilo Hartmann/Christoph Klimmt:  Desiderata and Perspectives of Researchon Parasocial Interactions and Relationships with Media Characters.Parasocial interactions and relationships are a frequently used framework for studies on mediareception in communication research. In spite of its long tradition, however, the concept isstill in need of several clarifications. Therefore, this article explores ways to increase theexplanatory value of the concept. We briefly present major problems of the definition andconceptualization of parasocial interactions and relationships, namely the understanding of thekey elements interaction, relationship, and persona, and suggest first ideas on their solution.Subsequently, opportunities to enhance the concept by integrating other theories and conceptson media reception and interpersonal perception from communication research and psychology are outlined. Finally, we discuss methodological problems in general and specificshortcomings of the quasi-standard measure, the Parasocial-Interaction-Scale.  3  Holger Schramm/Tilo Hartmann/Christoph Klimmt  Desiderata und Perspektiven der Forschung über parasoziale Interaktionen undBeziehungen zu Medienfiguren 1E INFÜHRUNG Knapp 50 Jahre sind vergangen, seitdem Donald Horton und R. Richard Wohl (1956) dietermini „parasocial interaction“ und „parasocial relationship“ prägten. In dieser Zeit hat diekommunikationswissenschaftliche Forschung eine beachtliche Anzahl von theoretischenAbhandlungen und empirischen Studien hervorgebracht, die Horton und Wohls Gedankengutals Rahmenwerk verwenden, es interpretieren, erweitern oder auf neue Gegenständeanwenden. Parasoziale Interaktionen und Beziehungen (PSI und PSB) sind heute sicherlicheines der dominanten Konzepte in der kommunikationswissenschaftlichenRezeptionsforschung (Vorderer 1996a; Gleich 1997; Giles, in Druck). Trotz seiner  prominenten Stellung in der Kommunikationswissenschaft weisen das Konstrukt und seine bisherige Anwendung eine Reihe von Desiderata auf, wie bereits verschiedene Autor/inn/enherausgearbeitet haben (z.B. Hippel 1992; Gleich 1997). Die bestehenden definitorischen,konzeptuellen und methodischen Suboptimalitäten beschränken das Erklärungspotenzial, dassich in Horton und Wohls Grundidee der interaktionistischen (oder interaktionsähnlichen)Medienrezeption verbirgt. Daher thematisiert der vorliegende Beitrag einige der zentralenProbleme, mit denen die bisherige Konzeptualisierung und empirische Umsetzung von PSIund PSB behaftet ist. Darüber hinaus werden Möglichkeiten aufgezeigt, die theoretischeSubstanz des Konstrukts zu erweitern und andere relevante Theorien und Modelleanzubinden. Ziel ist es dabei, unser Verständnis von PSI als theoretischem Zugang zur Medienrezeption zu schärfen und den kommunikationswissenschaftlichen „Nutzwert“ dieses bewährten Konzepts für die Zukunft zu erhalten und auszubauen.  4 Zunächst werden definitorische und konzeptuelle Probleme behandelt (Abschnitt 2). ImMittelpunkt stehen dabei der wissenschaftliche Status des Konstrukts, der Interaktionsbegriff (2.1), der Beziehungsbegriff (2.2) sowie der Begriff der Persona (2.3). Anschließend werdenPerspektiven der theoretischen Ergänzung und die Kompatibilität zu anderen Theorien undModellen erörtert (Abschnitt 3). Neben der theoretischen Verortung in der Medienwissenschaft (3.1) erscheinen hier Theorien der Wahrnehmung im Allgemeinen (3.2)und der Personenwahrnehmung im Speziellen (3.3) sowie die Anbindung anrezeptionsbeschreibende (3.4) und motivationale (medienwissenschaftliche/-psychologische)Theorien (3.5) relevant. In Abschnitt 4 werden dann die Probleme der Messung von PSI undPSB angesprochen, wobei zunächst aus methodologischer Sicht die Frage nach geeignetenMethoden gestellt wird (4.1), um dann auf die Probleme der Messung über die so genanntePSI-Skala einzugehen (4.2). Am Ende stehen ein Fazit und Vorschläge für die weiterekommunikationswissenschaftliche Auseinandersetzung mit PSI und PSB (Abschnitt 5).2   K  ONZEPTUELLE P ROBLEME Unter den offenen Fragen zu PSI ist die nach der „Produktkategorie“ der AusführungenHorton und Wohls (1956) sicherlich die grundsätzlichste. Handelt es sich um eine Theorie,ein Gesetz, eine Hypothese, eine Metapher? Während die Urheber selbst diese Frage nichtexplizit beantworten, deuten die in der Literatur zu PSI und PSB verwendeten Termini auf zahlreiche unterschiedliche Einschätzungen hin. Hippel (1992: 137) bezeichnet beispielsweisePSI als „Theorie“, die einen „Beitrag zu einer interaktionistischen Fernsehtheorie“ darstelle.Etwas allgemeiner spricht Wulff (1996b: 163) von einer „theoretischen Grundlegung der Fernsehkommunikation“, und viele andere Autor/inn/en nennen PSI schlicht ein „Konzept“(z.B. Vorderer 1996a; Gleich/Burst 1996; Mikos 1996). In der Uses-and-Gratifications-  5 Forschung wird PSI als eine mögliche Gratifikation, nämlich als funktionale Alternative zurealen Interaktionen, vereinnahmt (Rosengren/Windahl 1972; Rubin/Rubin 1985). Inmanchen thematischen Veröffentlichungen erscheinen überhaupt keine Formulierungen, dieauf eine Einschätzung des wissenschaftlichen Status von PSI schließen lassen (z.B. Cohen1997).Eine Klärung der Frage, wie PSI wissenschaftlich einzuordnen sind, sollte sicherlich von denursprünglichen Ausführungen Hortons und Wohls (1956) ausgehen. Die Struktur ihresArtikels entspricht der einer ausführlichen Beschreibung der (Fernseh-)Rezeption. Deutlichwird dies bereits an der Einteilung in Abschnitte, die in ihrer Reihenfolge mit „The role of the persona“ – „The bond of intimacy“ – „The role of the audience“ – „The coaching of audienceattitudes“ – „Conditions of acceptance of the para-social role by the audience“ – „Values of the para-social role for the audience“ – „Extreme para-sociability“ – „The image as artifact“ betitelt sind. Insofern erscheint es sinnvoll, PSI als Modellierung des Rezeptionsprozesses zu begreifen. Die einzelnen Annahmen dieses Modells zu identifizieren und das Modell damitsystematisch zu (re)konstruieren, ist jedoch eine der noch ungelösten Aufgaben der Kommunikationswissenschaft (vgl. Hippel 1992). Der Versuch, das Gedankengut Hortonsund Wohls (1956) in ein Modell zu überführen (erste Ansätze finden sich bei Giles, in Druck;Gleich 1997), bietet zum einen den Vorteil, dass daraus konkrete Hypothesen abgeleitetwerden können, die sich empirisch prüfen lassen, und zum anderen die Möglichkeit, dasVerhältnis von PSI zu bestehenden kommunikationswissenschaftlichen und psychologischenTheorien der Medienrezeption genauer zu bestimmen (vgl. dazu Abschnitt 3). Neben dem grundsätzlichen Problem der konzeptuellen Einordnung von PSI finden sich inden thematischen Veröffentlichungen auch spezifische definitorische Schwierigkeiten, diesich auf einzelne Aspekte der Ausführungen Hortons und Wohls (1956) beziehen. Vonzentraler Bedeutung sind hier das Verständnis von „Interaktion“ (Abschnitt 2.1.),„Beziehung“ (2.2.) und „Persona“ (2.3.).
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