D. Modl, Von den Menhiren der Bretagne zu den gotischen Gräbern im Dnjeprbogen – Walter Modrijan (1911-1981) und die archäologischen Unternehmungen des „Amtes Rosenberg“ in Frankreich, der Ukraine und Italien zwischen 1940 und 1944, Schi

Please download to get full document.

View again

All materials on our website are shared by users. If you have any questions about copyright issues, please report us to resolve them. We are always happy to assist you.
Share
Transcript
  Schild von Steier 25/2012 Forschungen zur geschichtlichen Landeskundeder Steiermark Band 58  2 Schild von Steier25/2012Forschungen zur geschichtlichenLandeskunde der SteiermarkBand 58ISBN 978-8-3902095-46-6 ISSN 2078-0141 Herausgeber Universalmuseum Joanneum GmbHArchäologie & MünzkabinettHistorische Landeskommission fürSteiermark Redaktion Marko Mele, Karl Peitler undBarbara Porod Lektorat Marko Mele, Karl Peitler undBarbara Porod Grafische Konzeption Lichtwitz -Büro für visuelle Kommunikation Satz Beatrix Schliber-Knechtl Druck Dravski tisk d.o.o.Eine Liste zur Vorbereitung undAbgabe von Manuskripten findetsich unter:http://www.museum-joanneum.at/de/archaeologiemuseum/publikati-onen-1/richtlinien-fuer-autorinnen-und-autorenFür den Inhalt der Beiträge sinddie Autorinnen und Autorenverantwortlich.Graz 2012  VorwortBeiträge der Tagung „ZumStand der archäologischenErforschung des Südostalpen-raums” zum 100. Geburtstagvon Walter ModrijanAndreas Bernhard Neu erforschte latènezeitlicheGräber in der Gemeinde Lang,KG Schirka, VB Leibnitz Susanne Lamm – Patrick Marko Villen in der Steiermark Marko Mele Das Universalmuseum Joanneumund die Fürsten von Kleinklein(Großklein) Daniel Modl Von den Menhiren der Bretagnezu den gotischen Gräbern imDnjeprbogenWalter Modrijan (1911–1981) unddie archäologischen Unterneh-mungen des „Amtes Rosenberg“in Frankreich, der Ukraine undItalien zwischen 1940 und 1944 Daniel Modl Walter Modrijan und die Montan-archäologieResümee der Erforschung desurgeschichtlichen Kupferberg-baus und Buntmetallhandwerksin der Steiermark Wolfgang Muchitsch Das Universalmuseum Joanneumund sein Direktor WalterModrijan Karl Peitler Zur Geschichte der AbteilungArchäologie & Münzkabinett amUniversalmuseum Joanneum Bernhard Schrettle Walter Modrijans Ausgrabungenim Tempelbezirk auf demFrauenberg Ulla Steinklauber Die Spätantike in der Steiermark Maria Windholz-Konrad Ein urnenfelderzeitlichesPrunkgrab aus dem steirischenKoppental. – Zum ersten prähi-storischen Grabbefund aus demAlpendurchgang entlang derTraun zwischen Zinkenkogel undHohem Sarstein (KG Straßen,SG Bad Aussee, VB Liezen) Weitere BeiträgeAnja Drack Eine Theseus- oder Achilles-gemme aus Flavia Solva Elfriede Haslauer Aegyptiaca im Archäologiemu-seum Schloss Eggenberg, Teil 1 Maja Janežič Terra Sigillata vom westlichenTeil der antiken Stadt Poetovio Gabriele Koiner –Walter Prochaska Ein Kapitell mit feingezähntemAkanthus in Schloss Pernegg Susanne Lehrer – Marko Mele– Daniel Modl – Karl Peitler –Barbara Porod – ElisabethSteiner Projekt InterArch-Steiermark – EineBilanz der Jahre 2011 und 2012 Hubert Preßlinger – ClemensEibner – Barbara Preßlinger Metallkundliche Befunde zurschmelzmetallurgischen Gewin-nung von Gold in der Urnen-felderzeit im Paltental 6810244262 94126130144156164188190194224234248262 5  „Wie der Pionier der kämpfenden Truppe, so folgtdem siegreichen Heere der Bauer, der Wirtschaftlerund - der Forscher. Mit an erster Stelle steht hier derVorgeschichtsforscher, der die vorgeschichtlich-ras-sischen Grundlagen der Völker Europas und damit diemaßgebliche Beteiligung der nordischen Rasse an derSchaffung der europäischen Kultur zu erkunden hat.“Germanen-Erbe, 1942 1 Einleitung Walter Modrijan ( Abb. 1 ) war steirischer Landesarchäo-loge, langjähriger Abteilungsleiter und Museumsdi-rektor am Landesmuseum Joanneum sowie Professorbzw. Dozent an den Universitäten Graz und Salzburg 2 .Der vorliegende Tagungsbeitrag rekonstruiert Teileseiner Biografie und verfolgt den Beginn seinerwissenschaftlichen Karriere über zwei Jahrzehntehinweg von 1930, dem Abschlussjahr seiner Maturain Klagenfurt, bis zum Jahr 1949, in welchem er seineArbeit an der Abteilung für Vor- und Frühgeschichteund Münzensammlung am Joanneum in Graz aufnahm.Im Fokus stehen dabei seine Aktivitäten währendder Zeit des Nationalsozialismus für das Reichsamtfür Vorgeschichte bzw. den Reichsbund für DeutscheVorgeschichte (RDV) des „Amtes Rosenberg“ 3 und desSonderstabs „Vor- und Frühgeschichte“ des Einsatz-stabs Reichsleiter Rosenberg (ERR), die ihn zwischen1940 und 1944 durch weite Teile des von der deut-schen Wehrmacht besetzten Europas führten.Basis dieser biografischen Studie bilden schriftlicheUnterlagen aus mehreren Archiven in Österreich,Deutschland und der Ukraine 4 sowie die Auswertungder archäologischen bzw. zeitgeschichtlichen Primär-und Sekundärliteratur, wobei hier ohne das freundlicheEntgegenkommen zahlreicher Kollegen aus dem In-und Ausland der vorläufige Abschluss der Recherchennicht möglich gewesen wäre 5 . Auf mündliche Informa-tionen von Zeitzeugen wie auch von späteren Kollegenoder Schülern wurde aus Objektivitätsgründen bewusstverzichtet.Der hieraus resultierende Tagungsbeitrag kann aufGrund seines Verzichts auf eine eingehende Darstellungdes Faches Vor- und Frühgeschichte im Nationalsozia-lismus mit den dazugehörigen politischen und ideolo-gischen Hintergründen 6 und der fachlichen Auswertungvon Modrijans damaligem archäologischen Schaffennur als Zwischenbericht gewertet werden. Er ist jedochVorbote eines umfangreicheren Forschungsprojekts zurArchäologie während der NS-Zeit im Reichsgau Steiermarkund im angegliederten CdZ-Gebiet Untersteiermark, indem am Rande auch nochmals die Biografie Modrijansaufgegriffen wird 7 . Jugend und Studienzeit Walter Modrijan wurde als unehelicher Sohn von JosefSlanitz (*18.3.1872) und Maria Modrijan (*8.10.1876)am 28. Juni 1911 in Klagenfurt geboren. Da sich seineEltern bereits vor seiner Geburt getrennt hatten, wurdeModrijan in seiner Kindheit von einem Kostplatz zumanderen gereicht, bis er schließlich in ein Heim kam 8 .In Klagenfurt besuchte er die fünfklassige Volks- unddie siebenklassige Bundesrealschule, an der er im Juni1930 die Reifeprüfung ablegte. Wesentlichen Anteilan Modrijans Mittelschulstudium hatte sein Vater, dertrotz seines geringen Gehalts als Museumswart imKärntner Landesmuseum seine Weiterbildung finan-zierte und durch dessen ungewöhnlichen Arbeitsplatzauch das Interesse des Buben für kulturgeschichtlicheBelange geweckt wurde 9 , wie der Titel von Modrijansdamaliger Matura-Hausarbeit verrät: „Die gotischeKirchenbaukunst in Kärnten“ 10 . Von den Menhiren der Bretagne zu den gotischenGräbern im Dnjeprbogen - Walter Modrijan(1911-1981) und die archäologischen Unterneh-mungen des „Amtes Rosenberg“ in Frankreich, derUkraine und Italien zwischen 1940 und 1944 Daniel Modl 62  An den Besuch einer Hochschule nach der Reifeprüfungwar jedoch während der damaligen wirtschaftlichenDepression nicht zu denken, sodass er im Dezember1930 als Beamter in den Dienst der Ersten AllgemeinenUnfall- und Schadens-Versicherungs-Gesellschaft inKlagenfurt eintrat. Von dieser wurde er im Mai 1932nach Graz versetzt, was ihm die Gelegenheit gab, ander Karl-Franzens-Universität ein nebenberuflichesStudium der Vor- und Frühgeschichte und römischenProvinzialarchäologie sowie der Kunstgeschichteaufzunehmen ( Abb. 2 ), das er mit der Ablegung dererforderlichen Ergänzungsmatura in Latein und Propä-deutik im Oktober begann. Einige Monate zuvor führteihn vermutlich sein 21. Geburtstag zu seiner Mutternach Mürzhofen, wo er am 2. Juli 1932 bei der dortigenNSDAP-Ortsgruppe die Aufnahme in die Nationalsozia-listische Deutsche Arbeiterpartei beantragte. In dieserverblieb er unter der Mitgliedsnummer 1.086.180 biszum 19. Juni 1933 11 , als die NSDAP auf Grund zahlrei-cher Terrorakte durch Nationalsozialisten im österrei-chischen Ständestaat verboten wurde.Am 24. Februar 1938 reichte Modrijan seine Disserta-tion mit dem Titel „Die Hallstattkultur Kärntens“ 12 überdas hallstattzeitliche Gräberfeld von Frög bei Roseggin Kärnten ein und legte im März bei den ProfessorenWalter Schmid (1875-1951; Abb. 3 ) 13 , Arnold Schober(1886-1959) 14 und Hermann Egger (1873-1949) 15 seinRigorosum in Vor- und Frühgeschichte sowie römischeProvinzialarchäologie im Hauptfach und Kunstge-schichte im Nebenfach ab. Am 31. März 1938 wurdeModrijan zum Doktor der Philosophie promoviert. Trotzdes knapp drei Wochen zuvor erfolgten AnschlussesÖsterreichs an das Deutsche Reich stellte Modrijan erstam 10. August bei der Ortsgruppe Graz-Ruckerlbergeinen neuerlichen Antrag auf Aufnahme in die NSDAP,dem jedoch erst mit 1. Juni 1940 und der Vergabe derMitgliedsnummer 7.643.717 entsprochen wurde 16 . ImNovember 1938 trat Modrijan zudem auch dem Natio-nalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB)bei 17 . In diese Zeit fällt auch seine erste Veröffent-lichung, ein Zeitungsaufsatz im „Kärntner Grenzruf“über den „germanischen“ Ursprung der Pfahlbautenim Keutschachersee südwestlich seiner HeimatstadtKlagenfurt 18 .Besonders eng war Modrijans Beziehung zu seinemDoktorvater Walter Schmid, der damals neben seinerPosition als Universitätsprofessor für Archäologie derPrähistorie und römischen Provinzialkultur auch Leiterder Abteilung für Vor- und Frühgeschichte und Mün-zensammlung am Joanneum und damit steirischer Lan-desarchäologe war 19 . Bei ihm sammelte Modrijan seineersten Grabungserfahrungen und er war es vermutlichauch, der bei Hans Reinerth (1900-1990; Abb. 4 ) 20 ,dem Leiter des Amtes bzw. später Reichsamtes fürVorgeschichte im Amt Rosenberg und zugleich Führerdes Reichsbundes für Deutsche Vorgeschichte sowieProfessor an der Berliner Universität, den Abdruck vonModrijans Dissertation empfahl.Seit 1921 bestand zwischen Reinerth und Schmid einekollegiale, dann eine freundschaftliche Beziehung, dieauch zu diversen Publikationen Schmids in den vonReinerth herausgegebenen Zeitschriften und Buchrei-hen führen sollte. Darunter ein zusammenfassenderBeitrag zu Noreia in der Zeitschrift „Mannus“ (1932) 21 ,die Monografie über das Fürstengrab von Strettwegin der Reihe „Führer zur Urgeschichte“ (1934) 22 undein kurzer Artikel zum Teufelsgraben von Lebring inder Zeitschrift „Germanen-Erbe“ (1938) 23 . Tatsächlichhätte auch Modrijans Dissertation in überarbeiteterForm und unter dem neuen Titel „Die SüdnorischenHallstattkulturen“ als 72. Band der Mannus-Büchereiim Jahr 1944 noch erscheinen sollen 24 , doch kriegs-bedingt kam es in Leipzig nicht mehr zur Auslieferungdes bereits gedruckten Bandes, wie auch alle späterenBemühungen Modrijans, diese Monografie anderweitigzu verlegen, keinen Erfolg haben sollten 25 . Abb. 1 Walter Modrijan,Porträtfoto ausseinem Identitäts-ausweis, ausge-stellt am 9.September 1946in Klagenfurt.Quelle: UMJ,AArchMk, Archiv. Abb. 2 BelegscheinModrijans für eineLehrveranstaltungbei Walter Schmidim Wintersemes-ter 1934/35 ander UniversitätGraz. Quelle: UMJ,AArchMk, Archiv,NL Walter Schmid. 63
Related Search
Similar documents
View more
We Need Your Support
Thank you for visiting our website and your interest in our free products and services. We are nonprofit website to share and download documents. To the running of this website, we need your help to support us.

Thanks to everyone for your continued support.

No, Thanks
SAVE OUR EARTH

We need your sign to support Project to invent "SMART AND CONTROLLABLE REFLECTIVE BALLOONS" to cover the Sun and Save Our Earth.

More details...

Sign Now!

We are very appreciated for your Prompt Action!

x